Von Glaubenskriegen und Grabenk(r)ämpfen

Früher war alles viel einfacher, man glaubte an einen Gott und zog für diesen ein paarmal nach Jerusalem um das auch zu beweisen.
Später dann suchte man eine neue Ikone zu der man aufschauen konnte und glaubte auch, sie zumindest hier gefunden zu haben. Jovial, selbstbewusst, dynamisch – und: ganz wichtig – ER hatte eine Vision. ER gab dem Begriff  „Macher“ eine völlig neue Dimension. Und man glaubte an ihn – so wie er es sich schon zu seinen Zeiten als „Liedermacher mit Berufsausweis“ gewünscht hatte:

„Seht mich an, bald bin ich Bundeskanzler und Staatsratsvorsitzender in einer Person. Ihr werdet mich vergöttern, doch niemals werd ich Gott sein – wenn, dann nur sein Sohn.“

Ja, an Selbstwertgefühl herrschte noch nie Mangel bei IHM, dem immer noch nachgesagt wird, ER hätte was geschafft, hier in seinem kleinen Königreich Riesa. Dumm nur, dass auch auf Nachfrage niemand so richtig sagen kann, was er denn an Bleibendem geschafft hat – für sein Königreich.

Was ist geblieben von der Vision „Sportstadt“, außer teuer eingekauften ehemaligen Sportgrößen, die zum Teil wie Söldner dem Geld hinterher weitergezogen sind?

Was ist geblieben von der Vision „Eventstadt“, außer einer 25 Millionen DM Investruine, an deren Betrieb im Moment das Wohl und Wehe der gesamten Stadt festgenagelt wird?

Geblieben ist, was immer bleibt, wenn der Macher neuen hehren Zielen entgegenschreitet – eine klamme Kasse und der Kampf um die Zuwendungen aus derselben. Visionen kosten eben – Visionäre auch, das durfte (und darf) Riesa erleben, Dresden hatte das Vergnügen (Zitat: “ Dresden ist Letzter unter 15 deutschen Städten nach Hallenfläche. Riesa hat mehr TV-Shows als Dresden. Dresden muss in die erste Liga. Wir brauchen eine Halle mit 15.000 Plätzen, wollen Leipzig toppen. Die große Messehalle im Ostragehege wird ausgebaut: Für Kongresse, Sport, Shows. Wollen wir mehr Besucher, müssen wir Geld in die Hand nehmen.“) und auch die Olympia-GmbH war nicht so recht glücklich mit IHM.

Und schon beginnen die Grabenkämpfe.

Da wäre die geförderte Förder- und Verwaltungsgesellschaft, die sich trotz Millionen-Stütze nicht in der Lage fühlt, wirtschaftlich zu arbeiten. Die Trennung von Kultur und Kommerz, da will man nicht mal drüber reden.

Da hätten wir einen Stadtrat, der das Votum seiner Wähler mit Füßen tritt, weils nicht so läuft wie er sich das vorstellt.

Da hätten wir einen Bürgermeister, der überall richtig spart, bei den städtischen Zuwendungen an „seinen“ Verein aber eher kreative Formulierungen findet und, und, und…

Schade finde ich, dass sich an diesen Kämpfen jetzt auch zwei beteiligen, die ich beide sehr schätze. Lokaljournalist der Eine, der mit spitzer Feder die Zu- und Missstände hier aufgreift und sich damit nicht nur Freunde gemacht hat, der Andere einer der Engagierten hier in dieser Stadt, auch ein Macher – nur ganz anders als ER.

Die beiden tragen ihre Kämpfe per Blog aus, der Eine hier – der Andere hier. Vielleicht setzen sie sich mal zusammen, der Eine mit seiner Sicht von außen und der Andere mit seiner Sicht von innen. Solche Nebenkriegsschauplätze sind überflüssig, es gibt wichtigeres zu berichten und zu tun in und für diese Stadt.

Also, was ist geblieben von IHM, dem Macher, dem Visionär?

Uns sind 235 Tonnen Gußeisen geblieben, die wir wohl auch so schnell nicht wieder los werden und die uns auf ewig an IHN erinnern. Strafe muss sein.

IHM bleibt das Denkmal und ein üppiges Salär – aus unserer Kasse.

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